Nutrias in Neuss: Ungeziefer oder niedliche Attraktion?

Die südamerikanische Biberratte, genannt Nutria, spaltet in Neuss die öffentliche Meinung.

Während die einen den Fortbestand der Nutrias schützen wollen, weil sie sich am Erscheinungsbild der Tiere am Nordkanal und in den Seen und Teichen der Stadt erfreuen, wollen die anderen den Nager am liebsten nachhaltig aus dem Stadtgebiet vertreiben.

Dabei wirken die Tiere aus gesicherter Entfernung putzig und es macht Spaß sie zu beobachten. Kommt jedoch eins der menschenscheuen Tiere einmal in Reichweite, so sind die Gäste der einheimischen Gewässer ziemlich respekteinflößend. Mit bis zu 65 cm Körperlänge und einem Gewicht von 25 – 30 kg handelt es sich hierbei nicht um ein Schmusetier, sondern um eine Spezies, die wenn sie sich bedroht fühlt, auch ziemlich unangenehm zubeissen kann. Besonders Kinder sollten die Nähe der Nutrias meiden und sich in gesicherter Entfernung aufhalten.

Die meisten Nutrias sind Nachkommen von entflohenen Tieren aus Pelztierfarmen. Die Nutria galt im frühen 20. Jahrhundert als Pelzlieferant für die europäische Pelzindustrie. Das Modeinteresse wandelte sich jedoch vom Nutria ab und so wurden viele Tiere von den Farmen einfach ausgewildert und verbreiteten sich über den Eurasischen Kontinent. Ebenso das Fleisch der Nutrias ist, als wohlschmeckend propagiert, ein beliebter Bestandteil europäischer Speisenkarten gewesen und ist es teilweise heute noch.

Als problematisch wird angesehen, daß Nutrias Deichanlagen durchhöhlen und somit wasserbauliche Schäden anrichten, die eine Deichanlage bei Hochwasser zum Bruch bringen können. Auch der Bestand seltener einheimischer Tierarten wird von den vegetarischen Zuwanderern gefährdet, da sie als Freßfeinde ihr Revier verteidigen.

Auch der Baumbestand z. B. im Neusser Rosengarten ist durch die zur Zeit stetig wachsende Population angegriffen, da die Tiere die Bäume untergraben und dabei die Wurzeln zerstören.

Durch die Überfütterung durch Parkbesucher vermehren sich die Nutrias immer weiter. Auch die Wasserqualität leidet unter der Flut von Nährstoffen und Tierkot.

Härtere Winter regulieren regelmäßig den Bestand, da Nutrias keine winterfesten Tiere sind.

Es bleibt also die Frage, ob die Abschußerlaubnis der Stadt Neuss ein wirklich notwendiges Mittel darstellt.

 

<<< Markus Kolvenbach (mak) >>>